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Bupp - Information zu digitalen Spielen

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Kommunikation, Vertrauen und Regeln

Eltern und zwei Kinder vor einem Bildschirm

Computerspiele, Smartphone, Youtube und so weiter - die Liste der Medien und Medienanwendungen, die Kinder und Jugendliche nutzen, ist lang. Und sie alle stellen Eltern vor die Frage, wie sie damit umgehen sollen. Bei der Mediennutzung ist es wie mit allen Themen in der Erziehung - der konstruktive Umgang erfordert zwei grundlegende Haltungen:

Grundhaltung

Die Erkenntnis bzw. das Bewusstsein dafür, dass eine Auseinandersetzung sinnvoll oder notwendig ist, und die Bereitschaft, tatsächlich in eine Auseinandersetzung einzutreten und nicht bloß Lösungen verordnen oder durchsetzen zu wollen.

Diese Voraussetzungen müssen auf beiden Seiten, also sowohl beiden Eltern als auch bei den Kindern, zumindest in Ansätzen erfüllt sein. Eine unverrückbare Zielvorstellung der Eltern oder Erziehenden, die keinen Spielraum für ein gemeinsam entwickeltes Verständnis lässt, ist ebenso hinderlich, wie die Einstellung „ich mach ohnehin, was ich will“ beim Kind. Dies gilt nicht nur für eine eventuelle Phase der „Vereinbarungen“, sondern schon davor: Wenn es zunächst darum geht abzuklären, warum gespielt wird, was gespielt wird, was daran gefällt, etc. – auch bereits für die Auseinandersetzung damit sind diese Grundhaltungen auf beiden Seiten erforderlich.

Vertrauen schaffen

Das Nicht-Wissen und Nicht-Verstehen der Mediennutzung der Kinder und der Computerspiele im speziellen wird von vielen Eltern und pädagogisch Tätigen zunächst als belastend erlebt. Dies ist durchaus verständlich: sind sie doch traditionell in der Rolle der Wissenden, Erklärenden und Anleitenden. Zuzugeben, etwas nicht zu wissen, hat in unserer Gesellschaft und in unserem Bildungssystem einen tendenziell schlechten Ruf. Dabei bietet gerade dieses Nicht-Wissen und Nicht-Verstehen eine Reihe von Möglichkeiten:

  • Eltern und Erziehende können in ein Gespräch mit dem Kind eintreten und dabei das Wissen und Verstehen des Kindes anerkennen. Das Nachfragen ermöglicht dem Kind, das eigene Wissen weiterzugeben. Das ist nicht nur gut für das Selbstbewusstsein, es ist auch eine wichtige Lernerfahrung: Wie erkläre ich etwas? Wie rede ich mit jemand mit einem ganz anderen Wissensstand? Darüber hinaus kann ein derartiges Gespräch auch auf der Beziehungsebene sehr förderlich sein. Das Kind fühlt sich ernst genommen und spürt das Interesse und die Anteilnahme.
  • Gleichzeitig können Eltern und Erziehende aber in diesen Gesprächen durchaus ihr Wissen einbringen und Anleiten – nämlich genau hinsichtlich des Infrage-Stellens eines Sachverhalts ohne zuvor die Antwort zu kennen: Warum werden in Spielen eigentlich immer die „Prinzessinnen“ gerettet und nicht die männlichen Helden? So kann ein spannendes Gespräch über Klischees, über Gleichberechtigung und Geschlechterrollen entstehen. Die Medienpädagogik spricht davon, dass die Reflexion und das Nachdenken über die Inhalte, die Zusammenhänge, die Hintergründe von Medien ganz wesentliche Elemente kompetenter Mediennutzung darstellen. Durch das Nachfragen zu einem Spiel oder zum Spielen generell, wird den Kindern vorgezeigt, dass dies sinnvoll ist und wie das geschehen kann. Und da die Eltern oder Erziehenden ja tatsächlich die Antwort nicht kennen, ist das Gespräch auch wirklich weitgehend offen.

Möglich wird dies allerdings nur, wenn die Haltung ein tatsächlich offene ist. Dann allerdings kann durch diese offene Kommunikation das wichtigste aufgebaut und/oder gestärkt werden, was in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern gibt: Vertrauen!

Meinung und Werte

Damit ist keineswegs gesagt, dass Eltern und Erziehende keine Meinung haben dürfen. Im Gegenteil: die Meinung der Erwachsenen ist wichtig und soll unbedingt auch klar ausgesprochen werden. Auch Wertvorstellungen können und sollen eingebracht werden. Schließlich ist die Vermittlung von Werten ein legitimes und sinnvolles Ziel der Erziehung. Dabei gilt es die Balance zwischen den eigenen Werten und jenen der jüngeren Generation in einer offenen Haltung zu besprechen und Raum für eigene Erfahrungen und Rückfragen zu ermöglichen. Wichtig ist allerdings, dass diese Werte jeweils klar als solche benannt und auch Meinungen, Wissen, Erfahrungen, Befürchtungen, etc. bewusst auseinander gehalten werden.

Regeln vereinbaren

Auf Grundlage eines so erarbeiteten gegenseitigen Vertrauens ist es dann sinnvoll und möglich, auch Regeln zur Mediennutzung zu vereinbaren. Dabei gilt der Grundsatz: So viele Regeln wie notwendig und so wenig Regeln wie möglich! Denn überbordende Details und mangelnde Flexibilität sind jene „Zutaten“, die am ehesten geeignet sind, die Vereinbarung scheitern zu lassen.

Was alles geregelt wird, welche Arten und Aspekte der Mediennutzung, welche Einschränkungen und welche Freiräume, das ist immer im Einzelfall gemeinsam zu bestimmen. „Gemeinsam“ bedeutet hier zweierlei:

  • Die Kinder sollen – altersangemessen – tatsächlich gehört werden und ihre eigenen Vorstellungen einbringen können.
  • Und die Regeln sollen auch für die Eltern gelten!

Eine sehe umfangreiche und doch leicht zu nutzende Hilfestellung für die Erstellung eines „Mediennutzungsvertrages“ bietet die Website www.mediennutzungsvertrag.de